Streuwiesen mit herrlicher Blütenpracht

Orchideen und Enziane

Orchideenwiese (Saitner)

 

Orchideen und Enziane in den Mooren vor unserer Haustür? Aber natürlich, Orchideen und Enziane kommen nicht nur in den Tropen bzw. im Gebirge vor, sondern auch gut erhaltenen Mooren des Alpenvorlands, bei ausreichend Wasser und nährstoffarmem Boden. Schon eine einmalige Düngung könnte sie zum Verschwinden bringen. Vom Nährstoffeintrag profitieren vor allem konkurrenzstärkere Pflanzenarten wie Süßgräser und Hochstauden, die die Orchideen und Enziane dann verdrängen würden.

Aber regelmäßige Mahd und Abtransport des Mähguts sind notwendig. Schon wenige Jahre ohne Mahd würden zu einem Verfilzen und Verbrachen führen. Die dann immer dicker werdenden Horste aus Pfeifengras und die sich ansammelnde Streuschicht aus abgesorbenen Halmen und Blättern würden die empfindlichen Schönheiten unterdrücken und zum Absterben bringen, später würden Büsche und Bäume aufkommen. Deshalb wird die Bewirtschaftung von Streuwiesen staatlich gefördert. Über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm werden Landwirte und Naturschutzverbände, die Streuwiesen mähen, finanziell unterstützt. Aufwändige Entbuschungsmaßnahmen nach langjähriger Brache werden über Landschaftspflegemittel des Freistaates bayern und der Europäischen Union gefördert.

Streuwiesen sind Nasswiesen oder Moorwiesen, die traditionell einmal jährlich im Herbst gemäht werden. Ihren Namen haben sie von der Verwendung des Mähguts als Einstreu im Stall. Als Heu zum Verfüttern ist das Mähgut nicht geeignet, denn es hat nur einen geringen Futterwert und enthält viele harte Stängel. Im stroharmen Alpenvorland waren Streuwiesen lange Zeit unentbehrlich für die Stallhaltung von Vieh.

Streuwiesen sind Rückzugsraum für seltene, oft vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere, wie z. B. den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Im Vergleich zu 8 bis 15 Arten auf intensiv genutztem Grünland, ist die Anzahl auf Streuwiesen mit 70 bis 90 Arten um ein Vielfaches höher. Die späte Mahd lässt die Samen aller Blumen ausreifen, und am Boden brütende Vögel können hier ihre Jungen großziehen.

Streuwiesen sind ein typisches, wenn auch selten gewordenes Element der heutigen Voralpenlandschaft. Sie beeindrucken besonders durch ihre Blütenfülle über zahlreiche Monate hinweg. Im Herbst heben sie sich durch ihre kupferfarbene Tönung von der grünen Umgebung ab.

Durch Umstellung der Viehhaltung auf Güllewirtschaft ist der Streubedarf in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Etwa 80 bis 90 Prozent der ehemaligen Streuwiesen sind inzwischen verbuscht, aufgeforstet oder durch Entwässerung und Düngung in Wirtschaftsgrünland umgewandelt worden. Infolgedessen sind Streuwiesen inzwischen stark bedrohte Biotope. Ihre hohe Bedeutung für den Artenschutz wurde erst in den letzten Jahrzehnten erkannt. Inzwischen sind sie als Biotope gesetzlich geschützt.

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