Zu Besuch bei der EATK GmbH in Ascholding

Energiekonzept für Handwerkergebäude

Seit Januar 2017 arbeitet Josef Köglsperger mit seinem Team im neuen Firmengebäude seiner EATK GmbH in Ascholding. Als Meister für Gebäude- und Systemtechnik hat der 35-Jährige selbstverständlich so geplant, dass er so gut wie keine Energie zukaufen muss. Sein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Konzept kann jederzeit als Muster für Handwerksbetriebe dienen, die ebenfalls neu bauen wollen.

Grossansicht in neuem Fenster: Betriebsgebäude EATKSeit 2015 stand für Josef Köglsperger fest, dass er für seinen Betrieb ein neues Firmengebäude bauen möchte. Dass sich das in der Nachbargemeinde Dietramszell– nur 800 Meter entfernt von der Gemeindegrenze – ergeben hat, ist reiner Zufall. „Drei Betriebe hatten sich damals für Bauplätze interessiert. Das war der Startschuss für die Gemeinde Dietramszell. Wir waren 2016 die ersten, die hier gebaut haben, heute sind schon zwölf andere Firmen ansässig.“  Köglsperger kann aus seinem Bürofenster sogar in Richtung seines Elternhauses in Siegertshofen schauen, wo er 2005 seinen Betrieb  gegründet hatte.

Ein Jahr hat die Planung des Gebäudes und der Haustechnik gedauert, und seit Januar 2017 läuft die Technik reibungslos.  Für Köglsperger war klar, dass sein neues Firmengebäude energieautark sein, aber trotzdem ohne komplizierten technischen Aufwand auskommen sollte. Er nutzt Photovoltaik (29,7 kW) und Erdwärme (7,2 kW Wärmepumpe) zur Energiegewinnung.

Um beide Dachseiten für die PV-Elemente zu nutzen, hat er den Giebel des Gebäudes in Süd-/Nord-Ausrichtung geplant. Die Kollektoren liefern auch bei schlechter Witterung noch ausreichend Energie für den Eigenverbrauch. Reicht das nicht mehr, wird ein Batteriespeicher angezapft. Mit einer Wärmepumpe wandelt er Erdwärme in Energie. Er gewinnt die Erdwärme über eine 900 Meter lange Leitung, die hinter dem Gebäude horizontal auf einer Fläche von 630 Quadratmetern verlegt wurde. Der Kollektor liegt hier in einer Tiefe von ca. 120 Zentimetern.  „Wir haben bei Probebohrungen festgestellt, dass dort eine wasserführende Schicht verläuft, die den Ertrag von 30W/m auf 70W/m erhöht“, erklärt Köglsperger.  Die Wärmeenergie wird für die Heizung und einen 1000-Liter-Pufferspeicher genutzt.  Zusätzlich wurde noch ein 12-kW-Batteriespeicher installiert, der überschüssigen Strom aus der PV-Anlage aufnimmt.Grossansicht in neuem Fenster: Wärmetauscher EATK

Die erzeugte Energie wird im Betrieb direkt verbraucht. „Was übrig bleibt, geht entweder in den Batteriespeicher, oder wir schalten zusätzliche Verbraucher wie Geschirrspüler oder Ladestationen von Akku-Geräten zu“, erklärt Köglsperger. Sein Konzept geht auf: „Seit die Anlage in Betrieb ist, haben wir im Durchschnitt 150 Prozent mehr Energie erzeugt, als wir verbrauchen können.“

Dafür sorgen nicht zuletzt auch planerische Besonderheiten, die sein Firmengebäude aufweist. Damit der Betrieb in Zukunft noch wachsen kann, hat Köglsperger das Gebäude in fünf Einheiten aufgeteilt: vier „warme“ Zonen, die für Büros genutzt werden können, und einen „kalten“ Lagerbereich für das notwendige Elektromaterial. Lager und Dachboden sind ungedämmt. Zwei der vier „warmen“ Einheiten im ersten Stock sind derzeit vermietet und bieten Sicherheit, wenn der Betrieb weiter wächst.

Alle Sanitäranlagen hat der Handwerksmeister nahe am Raum für die Heiztechnik im Gebäudeinneren angeordnet. Warmes Wasser kommt auf kurzem Leitungsweg in Sekundenschnelle. „Die installierte Zirkulationspumpe für warmes Wasser lief noch nicht eine Stunde. Allein damit sparen wir pro Jahr ca. 100 kWh Energie.“

Selbstverständlich sind im gesamten Haus dimmbare LED-Leuchten installiert. Sie werden fast alle über Bewegungsmelder gesteuert. Aber auch die Lichtstärke wird angepasst und individuell geregelt. Das trägt ebenfalls zum geringen Energieverbrauch bei. Die Mehrkosten für diese Maßnahmen sind nach Erfahrung von Josef Köglsperger durchaus überschaubar. „Wärmepumpe, PV-Anlage oder Batteriespeicher sind Investitionen, die sich über die positive Energiebilanz von selbst bezahlt machen“, sagt er und fährt fort: „Ob ich heute in einem Raum einen zentralen Bewegungsmelder installiere oder einen Schalter verbaue, der verkabelt werden muss, gibt sich nicht viel. Wichtiger sind die Folge- und Betriebskosten.“ Und Köglsperger, der schon vor zehn Jahren eine Zusatzausbildung zum Energieberater gemacht hat, weiß: „Natürlich kann man das nur bei Neubauten oder Kernsanierungen so umsetzen, bei Umbauten oder Renovierungen gelten andere Gesetzmäßigkeiten.“

Der Elektromeister räumt freilich auch „Planungsfehler“ ein und steht dazu. Die Wechselrichter der PV-Anlage beispielsweise wurden im Innenbereich eines Lagers installiert, damit im Winter dank der entstehenden Abwärme der Raum nicht geheizt werden muss. „Das funktioniert auch prima – leider wird es dafür im Sommer entsprechend wärmer und die Leistung der Wechselrichter sinkt. Das habe ich tatsächlich unterschätzt.“ Um das Problem zu beheben, wird im kommenden Jahr eine Klimaanlage installiert.

Überrascht hat den Unternehmer die Wirkung der an allen Fenstern installierten Rollläden. Sie schließen zeit- und temperaturgesteuert am Abend und bei weniger als acht Grad Celsius Außentemperatur. Im Winter können sie selbstverständlich individuell hochgefahren werden. Trotz hochwertiger Isolierverglasung der Fenster wird der Wärmeverlust enorm reduziert. Ein großer Zugewinn – vom Einbruchschutz ganz abgesehen.

Die einzelnen Komponenten seines Energiekonzeptes sind mit geringem technischem Aufwand zu bedienen. „Mich hat es natürlich gereizt, die Systeme zu vernetzen und aufeinander abzustimmen.“ Dafür hat er in seiner Freizeit viel Programmieraufwand betrieben und sich mit verschiedenen Herstellern ausgetauscht. Heute kann er am Computer die Betriebsdaten der gesamten Anlage abrufen, auswerten und steuern. „Diese Vernetzung ist aber für einen normalen Betrieb nicht notwendig“, fügt der Tüftler hinzu.

Einen Teil der gesparten Energie gibt sein Unternehmen in Form von Spenden für die Nachbargemeinden wieder zurück. Dabei bleibt Köglsperger dem Thema Energie treu: Dietramszell und Egling erhalten – verteilt über die nächsten zehn Jahre – je fünf Defibrillatoren, die sie in ihrem Gemeindegebiet anbringen wollen.

Technische Daten zum Betrieb:

  • 7,2 kW Wärmepumpe,
  • Erdkollektor mit 900 Metern Rohrlänge auf 630 Quadratmetern Fläche
  • 29,7-kW-Photovoltaik-Anlage
  • 12-KW-Batteriespeicher
  • 1000-Liter-Pufferspeicher
  • 300-Liter-Heizwasserspeicher
  • LED-Beleuchtung

drucken nach oben