Presseinformation
vom 16.07.2026, Nr. 114
Zweiter Runder Tisch Radverkehr

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Beim zweiten Runden Tisch Radverkehr am 21. Mai 2026 kamen Vertreterinnen und Vertreter der Städte und Gemeinden, der Nachbarlandkreise, des Staatlichen Bauamts und des ADFC zusammen, um sich über aktuelle Projekte und die künftige Entwicklung des Radverkehrs im Landkreis auszutauschen.
Ein Punkt der Veranstaltung war die Qualitätssicherung der Radwegweisung. Im vergangenen Jahr wurde das gesamte beschilderte Radwegenetz mithilfe ehrenamtlicher Wegewarte auf Mängel überprüft. Für die Vor-Ort-Kontrollen konnten engagierte ehrenamtliche Wegewarte aus Radvereinen und Interessengruppen gewonnen werden, darunter der ADFC Bad Tölz-Wolfratshausen, Nagel und Faden e. V. sowie die Isarwinkler Radsportfreunde. „Eine solche Leistung in nur wenigen Monaten ist wirklich beeindruckend und zeigt, wie engagiert die Vereine daran arbeiten, den Radverkehr in unserem Landkreis zu verbessern“, betonte der Radverkehrsbeauftragte des Landkreises, Felix Schreiber. Nun gilt es, die erfassten Mängel gemeinsam mit den Städten und Gemeinden zu beheben.
Neben der Überprüfung der bestehenden Wegweisung stellte das Fachbüro topplan die Neukonzeption der touristischen Radwege vor. Ziel des Konzepts ist es, die Qualität der Radrouten weiter zu steigern und den Alltags- und Freizeitradverkehr stärker miteinander zu verknüpfen. Im Zuge der Überarbeitung wächst das ausgeschilderte Radwegenetz von bisher 550 auf rund 620 Kilometer. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der Wegweiser auf mehr als 3.500, wodurch die Orientierung für Radfahrende weiter verbessert wird.
Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem wachsenden Trend des Gravelbikens. Das Landratsamt mit Tölzer Land Tourismus als Projektpartner sieht darin die Chance, einerseits Besucherströme gezielt zu lenken und gleichzeitig sensible Naturräume zu entlasten sowie andererseits ein attraktives Tourismusprodukt für Gäste und Einheimische zu schaffen. Bereits bestehende Gravelbike-Routen sollen 2026 gemeinsam mit dem Fachbüro topplan überarbeitet und in das digitale Wegemanagement integriert werden. Darüber hinaus sind zwei neue Strecken geplant: eine Verbindung zwischen Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen und Bad Heilbrunn sowie eine Route rund um das Loisach-Kochelsee-Moor. Die Touren werden ausschließlich digital veröffentlicht; eine Beschilderung vor Ort ist nicht zuletzt aufgrund der besonderen digitalen Affinität seitens dieser Zielgruppe nicht vorgesehen.
Ein wichtiges Thema des Runden Tisches war zudem der Neubau und Ausbau von Radwegen. Diese Maßnahmen gelten als entscheidend für die Verkehrswende, sind jedoch häufig mit erheblichen Herausforderungen verbunden. „Die wohl größte Herausforderung beim Radwegebau ist der Grunderwerb“, erklärte Martin Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim, das für Bundes- und Staatsstraßen sowie die begleitenden Radwege im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zuständig ist.
Hinzu kommen die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes. Der Bau neuer Radwege schafft einerseits die Voraussetzungen für eine klimafreundliche Mobilität und leistet damit langfristig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Andererseits greift jede Baumaßnahme in Natur und Landschaft ein und erfordert Eingriffe in bestehende Lebensräume.
Bedeutet das also, dass man sich zwischen Natur- und Klimaschutz entscheiden muss? „Nein“, sagt Felix Schreiber, der im Landratsamt sowohl für den Radverkehr als auch für den Klimaschutz zuständig ist. „Der Bau eines Radwegs ist zwar ein Eingriff in die Natur. Für unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten und damit für die Biodiversität stellt jedoch der Klimawandel langfristig die deutlich größere Bedrohung dar.“ Derzeit gelten für den Bau von Radwegen dieselben Ausgleichs- und Kompensationspflichten wie für andere Bauvorhaben, die mit einer Bodenversiegelung oder Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind. Diese Regelungen erschweren den Ausbau der Radinfrastruktur, der für eine erfolgreiche Verkehrswende notwendig ist. Die Teilnehmenden des Runden Tisches waren sich jedoch einig, dass die Förderung nachhaltiger Mobilität ein wesentlicher Baustein des Klimaschutzes ist. Weniger verkehrsbedingte Emissionen tragen langfristig nicht nur zur Begrenzung des Klimawandels bei, sondern kommen letztlich auch dem Schutz von Natur und Artenvielfalt zugute.
Zum Abschluss herrschte Einigkeit darüber, dass der Radverkehr im Landkreis weiter an Bedeutung gewinnen wird. Um das Radwegenetz bedarfsgerecht auszubauen und weiterzuentwickeln, ist eine enge interkommunale Zusammenarbeit unverzichtbar. Bei den kommenden Treffen des Runden Tisches wollen alle Beteiligten diese Zusammenarbeit weiter vertiefen und gemeinsam den Radverkehr in der Region nachhaltig stärken.
Sabine Schmid
Pressesprecherin
Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen
