Nahaufnahme der Pflanze

Tölzer Moorachse

Tölzer Moorachse

Ein Projekt zur Bewahrung unseres einmaligen Naturerbes.

12 % der Fläche des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen liegen auf Moorboden. Dieser einmalige Moorkorridor erstreckt sich auf eine Länge von 30 Kilometer und umfasst alle in Deutschland vorkommenden Moortypen. (Vgl.: http://dsd.zum.de/wiki/Hilfe_zu_Prozentzahlen)

Die Moore des Tölzer Landes reihen sich in einer fast ununterbrochenen Achse von 30 Kilometer Länge vom Kochelsee bis nach Deining. Diese Moorflächen erscheinen vielfach noch relativ naturnah. Dennoch befinden sie sich durch historische aber bis heute wirksame Entwässerungsmaßnahmen in einem ökologisch kritischen Zustand. Seit über 30 Jahren setzen sich verschiedene Akteure für die Renaturierung der Moorgebiete im Tölzer Land ein: das Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern e. V. (ZUK), der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV), der Landschaftspflegeverband Bad Tölz-Wolfratshausen e.V. (LPV), der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BUND), der Bayerische Bauernverband (BBV), der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sowie die Regierung von Oberbayern. Im Jahr 2003 haben sie sich zur Projektgruppe „Tölzer Moorachse“ zusammengeschlossen. 

Moorschutz verbindet Natur-, Arten-, Boden- und Klimaschutz und ist damit von öffentlichem Interesse. Zudem helfen intakte Moore, Starkregenereignisse und Hochwasser abzumildern, das Grundwasser zu erneuern und das lokale Klima zu stabilisieren. 

  • Übersichtskarte Moore im Landkreis

    Im Umweltatlas des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) finden Sie eine Darstellung der Moorflächen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit Legende.

    Screenshot aus dem Umweltatlas
  • Moorschutz = Klimaschutz

    Moore bilden sich, wenn durch starke Nässe Pflanzenaufwuchs abgelagert und als Torf konserviert wird. Dagegen führt die Entwässerung von Moorboden zu Belüftung und im weiteren Verlauf zur Zersetzung des Torfes. 

    In Bayern sind die meisten Moorflächen durch Entwässerungsgräben oder Drainagen trockengelegt worden, um sie land- oder forstwirtschaftlich nutzen zu können. Dadurch wird der ursprünglich durch Wasser konservierte Torfkörper zersetzt, was große Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen freisetzt. Außerdem geht der Torf, der über Jahrtausende gewachsen ist, verloren.

    Renaturierungsmaßnahmen zielen darauf ab, den Wasserhaushalt im Moor wiederherzustellen und den Wasserrückhalt zu verbessern. So kann die Zersetzung des Torfes gestoppt und sogar neue Torfbildung gefördert werden. Das bindet langfristig Kohlenstoff und schafft wieder Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen.

    Die Sanierung des Wasserhaushalts zur Renaturierung von Hochmooren (Filzen) spart durch Erhalt der Torfsubstanz den Ausstoß von rund 15 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Hektar und Jahr ein, in Zusammenhang mit Grünlandextensivierung rund 30 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr (DRÖSLER 2009 und 2012). Neben Kohlendioxid sind Methan und Lachgas die im Moor vorkommenden Treibhausgase.  Diese werden zusammengefasst als CO2-Äquivalente berechnet, um ihre Klimawirkung darzustellen.

    Neben dem Klimaschutz hat die Moorrenaturierung noch weitere wichtige Funktionen: seltene Lebensräume bedrohter Pflanzen- und Tierarten werden erhalten, die Grundwasser- und Oberflächenwasserqualität verbessert sich und sogar Hochwasserspitzen werden verringert.

    Literatur:

    DRÖSLER, M. (2009): Was haben Moore mit dem Klima zu tun? – In: Laufener Spezialbeiträge 2/09: 60 – 68.

  • Moor erhalten und wiederherstellen: wichtige Zielsetzung im Tölzer Land 

    Das Tölzer Land beherbergt einige der besterhaltenen Feuchtgebiete Mitteleuropas. Dennoch sind viele dieser wertvollen Moorflächen in einem ökologisch kritischen Zustand.

    Über Fördermittel aus den Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) ermöglicht der Freistaat Bayern die Finanzierung von Moorrenaturierungsmaßnahmen. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist dabei Träger für Grunderwerb, Pacht oder Eintrag von Grunddienstbarkeiten, wenn Eigentümer ihre Moorfläche für eine Renaturierung zur Verfügung stellen wollen.

    Seit den ersten Renaturierungsmaßnahmen im Jahr 1993 wurden im Landkreis bereits 372 Hektar Moorflächen gezielt wiederhergestellt. Davon konnten rund 280 Hektar erfolgreich wiedervernässt werden, um die natürlichen Funktionen der Moore wiederherzustellen.

    Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen befinden sich insgesamt 306 Hochmoorgebiete. Davon sind 248 Gebiete noch in einem ökologisch wertvollen und erhaltenswerten Zustand und eignen sich daher besonders gut für weitere Renaturierungsprojekte. Diese Moorflächen umfassen eine Gesamtfläche von über 2.000 Hektar.

    Tabelle: Übersicht Umsetzungsmaßnahmen und CO2-Einsparleistung

    Moorgebiet

    wirksame Renaturierungsfläche (ha)

    auf der Renaturierungsfläche eingesparte Menge an CO2-Äquivalenten (t CO2/ a)

    Herrnhausen

    0,25

    5,6

    Rautfilz

    1

    15

    Ebenbergfilze

    9

    135

    Zellbachtal

    4

    60

    Münsinger Filz

    20

    300

    Sonnenhofer Filz

    4,6

    69

    Ellbach-Kirchsee-Moore

    22

    330

    Königsdorfer Weidfilz

    86

    1290

    Auer Filz

    20

    300

    Eglinger Filz

    23

    345

    Spatenbräu Filze

    18

    270

    Höfner Filz

    20

    300

    Breitfilz

    50

    750

    Altenbergfilze

    4

    60

    Lang- u. Mähmoos

    4

    60

    Schemer Filz

    6

    90

    Schellenberg Moor

    2

    30

    Anger Filze u. Neugärten

    78

    2340

    Gesamt

    ~ 372

    ~ 6750

    Stand: 10/2025

    Die Moorrenaturierungen im Landkreis auf insgesamt 372 Hektar tragen bereits dazu bei, die jährlichen Treibhausgasemissionen um mehr als 6.700 Tonnen CO2-Äquivalente zu reduzieren. Auf den rund 2.000 Hektar nicht landwirtschaftlich genutzter Hochmoore besteht das Potenzial, diese Einsparungen in Zukunft sogar um das Fünffache zu erhöhen.

    Moore sind unverzichtbare Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten, wichtige Wasserspeicher für unsere Landschaft und bedeutende Kohlenstoffspeicher in Zeiten des Klimawandels.

  • Projektbeispiele der Tölzer Moorachse 

    Wiedervernässungsmaßnahmen in den Spatenbräu- und Eglinger-Filzen, im Höfner Filz sowie in den Loisach-Kochelsee-Mooren tragen dazu bei, die ursprüngliche Schönheit und Funktionen der Moorlandschaften zurückzugewinnen.. Dadurch können seltene Arten wie Wollgräser und Schmetterlinge wie der Hochmoorgelbling wieder in ihre angestammten Lebensräume zurückkehren.  Ergänzend zur Übersicht der Umsetzungsmaßnahmen und deren CO2-Einsparungen finden Sie hier ausgewählte Einblicke in einzelne Projekte.

    Moorrenaturierung im Auer Filz – ein wichtiger Schritt für Natur und Klima

    dekorativ

    Seit 2007 arbeiten wir mit der Stadt München und der Lenkungsgruppe „Tölzer Moorachse“ am Schutz des Auer Filzes – einem wertvollen Moorgebiet. Damals wurden im Rahmen einer Renaturierungsmaßnahme 42 Dämme eingebaut, um den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen. Nun geht es weiter: Im Januar und Februar 2026 werden auf rund 6 Hektar im Randbereich des Auer Filzes alte Entwässerungsgräben verschlossen. Diese Gräben wurden vor etwa 100 Jahren angelegt, um Torf abzubauen.

    Unsere Moormanagerin Elisabeth Pleyl sorgt dafür, dass Moorflächen erhalten bleiben und ihre ökologischen Funktionen gestärkt werden – immer in enger Abstimmung mit den Eigentümern.

    Förderhinweis: Diese Projekt Auer Filze wird von der Europäischen Union kofinanziert.

    Mit der Moorrenaturierung im Auer Filz leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer einzigartigen Natur und zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen.



    Herrnhausen

    Aufnahme mit Moorboden vor Wald, ein BAgger und zwei Männer in Arbeitsuniform
    Umsetzung Moorschutzmaßnahme November 2024 (F. Hartwich 2024)

    Auch auf kleinen und moortechnisch unscheinbaren Flächen kann bei ausreichender Torfschicht Moorbodenschutz umgesetzt werden.

    In der Niedermoorfläche der Gemeinde Eurasburg (Gemarkung Herrnhausen) ist der Torfzustand bereits stark beeinträchtigt. Um den Torfkörper zu erhalten, war deshalb eine gezielte Wasserrückhaltung dringend notwendig. Die Zersetzung des Torfs wurde durch frühere Entwässerungsmaßnahmen wie Gräben und Drainagen verursacht, die damals der forstwirtschaftlichen Nutzung dienten. 

    Aufnahme des bearbeiteten Moorbodens
    Projektgebiet nach Maßnahmenumsetzung

    Durch den Verschluss der Entwässerungsgräben mit torfüberdeckten Verwallungen und Holzspundungskern sowie die vorherige Entnahme von Gehölzenwird auf dieser Fläche langfristig die erneute Bildung eines Aktrotelms (=Torfbildungszone) ermöglicht. Gleichzeitig entsteht ein feuchter Moor-Randwald, F der als Rückzugsgebiet für seltene, auf diesen Lebensraum angewiesene, Tiere und Pflanzen dient und so die klimarelevanten Moorschutzmaßnahmen ergänzt.  

  • Mitwirkende

    Die Tölzer Moorachse ist ein Zusammenschluss der örtlichen im Naturschutz tätigen Vereine und Verbände, Vertretern der unteren und höheren Naturschutzbehörde, dem Landrat Josef Niedermaier und einem Vertreter der Bauern. Der Projektgruppe gelingt es seit 23 Jahren, gemeinsam mit Flächeneigentümern Konzepte für den Moorschutz vor Ort zu entwickeln, Flächen zu sichern und Maßnahmen durchzuführen. 

    Die Mitglieder sind: Landrat Josef Niedermaier, Benedikt Zangl als Vertreter des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Pater Karl Geißinger und Joachim Strobel vom Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern e.V. (ZUK), Achim Rücker als Vertreter vom Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BUND), Sabine Tappertzhofen und Walter Wintersberger als Geschäftsstellenleiterin bzw. Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz e. V. (LBV), Markus Henning als Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Bad Tölz-Wolfratshausen e.V. (LPV), die Moormanager Florian Hartwich und Elisabeth Pleyl sowie Anne Nowottnick und Vroni Feichtinger von der höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern, sowie Franz Steger von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen.

  • Moorschutz als staatliche Aufgabe 

    Im Rahmen des Ziels der bayerischen Staatsregierung, bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, wird der Moorschutz wegen seines großen Potenzials zur CO2-Einsparung verstärkt vorangetrieben.

    Die Umsetzung des Moorschutzes ist deshalb u.a. in folgenden Vorgaben politisch verankert:

    • Masterplan Moore (Ministerratsbeschluss vom 31.07.2018
      Ziel: Reduktion der Treibhausgasemissionen aus Moorböden um 1/3 bis 2050
    • Bayerisches Klimaschutzgesetz - BayKlimaG Artikel 3 (Fassung: 23.11.2020)
      Ziel: Bewirtschaftung aller staatlichen Grundstücke, insbesondere der Moorflächen, bis zum 2030 in Übereinstimmung mit dem BayKlimaG zu bewirtschaften
    • Regierungserklärung Klimaland Bayern (21.07.2021)
      Ziel: Wiedervernässung von 55.000 Hektar Moorflächen bis 2040
    • Bayerisches Klimaschutzprogramm (2022)
      Ziel: Umsetzung des Bayerischen Klimaschutzgesetztes
      Für Moorschutz besonders relevant: Aktionsfeld 2 – Natürliche CO2-Speicherung
    • Ministerratsbeschluss (27.06.2023)
      Feststellung des Moorschutzes als überwiegendes öffentliches Interesse
    • Bestätigung der Moorschutzziele im aktuellen Koalitionsvertrag (24.10.2023)
      Mit unserem Bayerischen Klimaschutzgesetz und dem Bayerischen Klimaschutzprogramm mit rund 150 Maßnahmen haben wir uns in fünf wesentlichen Sektoren ambitionierte Ziele gesetzt. Diese gilt es fortzuentwickeln und auch den natürlichen Klimaschutz, z.B. Wälder und Moore, zu stärken.
      Moore sind Multitalente und speichern große Mengen CO2. Ihrem Schutz kommt eine besondere Bedeutung zu: Wir bekennen uns zum Ziel, gemeinsam mit den Landeigentümern und -nutzern 55.000 Hektar Moorfläche in Bayern bis 2040 wiederzuvernässen. Unser Moorwaldprogramm und Moorbauernprogramm führen wir fort.
  • Ansprechpartner Moorrenaturierung

    Elisabeth Pleyl
    Moormanagerin

    Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen
    Sachgebiet 35 – Umwelt
    Prof.-Max-Lange-Platz 1
    83646 Bad Tölz
    T: 8041 505-388
    F: 8041 505-18-117
    elisabeth.pleyl@lra-toelz.de
    www.lra-toelz.de

    Dienstag bis Donnerstag 9.00 Uhr - 18.00 Uhr  (auch Außendienste)
    Freitag per E-Mail