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Presseinformation


vom 28.07.2026, Nr. 117

Alm-Lehrgang im Isarwinkel: Almen im Spannungsfeld zwischen Klimawandel und Nutzungsvielfalt

Knapp 30 Fachleute aus Tourismus, Naturschutz, Wissenschaft und Landwirtschaft tauschten sich über die Zukunft der Almen aus

Teilnehmer Alm-Lehrgang im Isarwinkel im Juni 2026

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Wie können Bayerns Almen als Lebensraum, Wirtschaftsgrundlage und Erholungsraum langfristig erhalten werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein zweitägiger Alm-Lehrgang, den die Internationale Alpenschutzkommission Deutschland (CIPRA) gemeinsam mit der Gebietsbetreuung Alpenraum des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen am 19. und 20. Juni im Isarwinkel veranstaltete. Rund 30 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Tourismus, Naturschutz, Wissenschaft und Landwirtschaft nahmen an der Fortbildung auf der Schronbach-, Stie- und Strasser Alm im Isarwinkel (Gemeinde Lenggries) teil. 

Ziel des Lehrgangs war es, praxisnahes Wissen über die ökologische, landwirtschaftliche und touristische Bedeutung der Almen zu vermitteln. Im Mittelpunkt standen die Almen als Kulturlandschaft und Hotspot der Biodiversität, ihre nachhaltige Bewirtschaftung sowie die Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Freizeitnutzung. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmenden Anregungen, wie Besucherinnen und Besucher für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden können. 

Dass Almen weit mehr sind als beliebte Ausflugsziele, wurde während der Exkursionen deutlich. Sie sind über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaften, deren artenreiche Offenlandflächen nur durch eine angepasste Bewirtschaftung erhalten bleiben. Gleichzeitig sichern sie die Futtergrundlage für die Landwirtschaft, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und prägen das Landschaftsbild des Alpenraums. 

Auf der Schronbach Alm stellten Sebastian und Uschi Bauer gemeinsam mit Hirte Tom Lorscheter ihr erfolgreiches Beweidungskonzept mit einem ausgeklügelten Koppelungssystem vor. Der Biologe Albert Lang erläuterte die Vielfalt der Biotoptypen und verdeutlichte die enge Vernetzung der Arten im Ökosystem. Susanne Krapfl, Almfachberaterin, informierte über die Almwirtschaft im Landkreis sowie über Fördermöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen. Brigitte Meier stellte den Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern vor und ging auf die Herausforderungen ein, die Strukturwandel und Klimaveränderungen für die Almbetriebe mit sich bringen. 

Am Abend widmete sich der Lehrgang den Themen Tourismus und Besucherlenkung. Landrat Ludwig Schmid eröffnete die Vortragsreihe. Dr. Andreas Wüstefeld stellte die Bedeutung des Tourismus für die Region sowie die Kampagne „Naturschutz beginnt mit dir“ vor. Antonia Asenstorfer erläuterte die Rolle der Brauneck-Bergbahn als wichtiger Partner für den Tourismus im Isarwinkel. Christine Busch informierte über die Arbeit der CIPRA Deutschland, die sich für den Schutz der Alpen und deren nachhaltige Entwicklung einsetzt. 

Der zweite Lehrgangstag führte ins Tourismusgebiet Brauneck. Auf der Strasser Alm machten Hans Müller und der langjährige Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair, deutlich, dass erfolgreiche Almwirtschaft umfassendes Fachwissen, eine durchdachte Weideführung sowie robuste und trittsichere Tiere erfordert. Zugleich erschwert der Rückgang kleiner landwirtschaftlicher Betriebe den Almauftrieb zunehmend, weil geeignetes Weidevieh fehlt. Hinzu kommen wachsende Anforderungen durch Tourismus, Forstwirtschaft und Freizeitaktivitäten wie Wandern, Mountainbiken oder Gleitschirmfliegen, die auf engem Raum mit der Almwirtschaft in Einklang gebracht werden müssen. 

Weitere fachliche Beiträge lieferten Prof. Jörg Ewald und Bernd Panassiti. Margret Hütt erläuterte außerdem die landschaftlichen und geologischen Besonderheiten des Isarwinkels. 

Das Fazit des Lehrgangs fiel eindeutig aus: Der Erhalt der artenreichen Almlandschaften gelingt nur im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und einer naturverträglichen Erholungsnutzung. Nachhaltige Bewirtschaftung, gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme sind die entscheidenden Voraussetzungen, damit die Almen ihre vielfältigen Funktionen auch künftig erfüllen können.

Sabine Schmid
Pressesprecherin
Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen