Jetzt wird optimiert

Batteriespeicher fürs Eigenheim

Familie Bienas in Deining (Gemeinde Egling) hat viel unternommen, um das Eigenheim nachhaltig mit Strom und Wärme zu versorgen. Auch ein Batteriespeicher für den eigenen PV-Strom gehört dazu. Nach dem ersten erfolgreichen Betriebsjahr wurde analysiert und optimiert. Die steuerliche Behandlung der Anlage trübt die Freude allerdings etwas ein.

Batteriespeicher fürs Eigenheim

Seit fast 20 Jahren nutzen Horst Bienas, seine Frau Barbara und die beiden mittlerweile erwachsenen Kinder die Sonnenenergie, um fürs Duschen, Abspülen usw. heißes Wasser zu haben. Gleich beim Hausbau im Jahr 1998 installierte ein Fachbetrieb auf dem Dach eine Solarthermieanlage.

Bei der Wärmeenergie rüstete der Ingenieur im Jahr 2008 im Sinne der erneuerbaren Energien nach. Der Eglinger Fachbetrieb Ofen Förg richtete einen wassergeführten Kaminofen ein, der in der Heizperiode 80 Prozent seiner Wärme direkt ins Heizsystem speist und 20 Prozent in die Räume abgibt. Diese Maßnahme zusammen mit dem Niedrig-Energiehaus-Standard reduzierte den Heizölverbrauch um circa 1000 Liter auf nur 200 Liter im gesamten Jahr.

 

PV mit Batterie

Seit August 2015 hilft die Sonne auch bei deGrossansicht in neuem Fenster: Horst Bienasr Stromerzeugung: Horst Bienas ließ Photovoltaikmodule (6,24 kWp) und einen Batteriespeicher mit 6,4 kWh Speicherkapazität von einem heimischen Fachbetrieb installieren. Dabei hatte er klare Vorstellungen von den Komponenten der Anlage. „Besonders wichtig waren mir ein Schutz der Investition durch die Installation von hochwertigen Komponenten, Blitzschutz und Schutz vor Überspannung von außen sowie eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Vor allem die Heizungspumpen, auf die das ganze Heizsystem angewiesen ist, müssen auch bei einem Stromausfall weiterarbeiten“, sagt Horst Bienas, der sich seit 2014 in der Eglinger Energiewende (EWE) und in der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO) engagiert.

Dem Hausherrn war eine aussagekräftige Leistungserfassung wichtig. „Erst damit kann man beurteilen, wann man Energie benötigt – tagsüber bei Solarertragszeiten oder nachts – und mit diesen Informationen kann man die Funktionstüchtigkeit überwachen und Optimierungen vornehmen. Unsere PV-Anlage hat eine solche übersichtliche Darstellung der Energieflüsse“, erklärt er. Folgende Werte misst der Wechselrichter permanent und speichert sie für eine übersichtliche Darstellung:

+ Solarertrag (Spannung/Strom/Leistung je String)

+ Energiebedarf des Hauses separat auf allen drei Phasen

+ Ladezustand der Batterie

+ Energieströme

Die Verwendung des PV-Stroms erfolgt automatisch: Mit erster Priorität wird das Haus mit eigener Energie versorgt, nachfolgend werden die Batterien geladen, und als letzte Option wird der Überschuss ins Netz eingespeist. „Dabei sind jedwede Zwischenzustände in allen Konstellationen möglich. Ohne dass wir etwas merken, kann verfügbare Energie vom Dach, etwas Strom aus der Batterie und zugleich Strom aus dem Netz kommen“, so Horst Bienas.

Mithilfe des richtig dimensionierten Energiespeichers wird im Sommer der Strombedarf bis in die Morgenstunden hin gedeckt. Im Winter ist der solare Beitrag allerdings gering. Der Stromspeicher hält deshalb immer zehn Prozent seiner Kapazität als Reserve vor für den Fall, dass der Strom ausfällt und die Notstromversorgung die Heizungspumpen speisen muss.

Die Lebensdauer der Batterie ist auf zehn Jahre ausgelegt. Die Kosten für PV und Batterie betrugen 15.000 Euro netto plus 3000 Euro MwSt. – mit einem gewissen Anteil planerischer und handwerklicher Eigenarbeit in der Vorbereitung.

 

Ein kompletter Jahreszyklus

Mittlerweile liegen dem Hausherrn die Leistungsdaten eines kompletten Jahres vor. „Die Anlage erreichte 2016 hundert Prozent dessen, was sie unter Berücksichtigung der Lage und der Dachneigung leisten kann.“ Daher kann sich Horst Bienas sicher sein, dass alle Komponenten einwandfrei funktionieren.

 

2016 hat die Anlage mehr Energie erzeugt als im Haus verbraucht wurde (siehe Tabelle „Energiewerte 2016“). Jedoch oft zur falschen Zeit, sodass mehr ins Netz eingespeist als vom Netz bezogen wurde. Die Einspeisevergütung beträgt 12,34 Cent pro kWh. 1777 kWh nutzte die Familie direkt bei Sonnenschein, 942 kWh kamen nachts aus dem Batteriespeicher. Damit erreicht der Deininger einen Autarkiegrad von 53 Prozent. Beziffert wird damit die Unabhängigkeit von externer Energieversorgung.

„Durch Verkauf und Kauf haben wir jetzt Stromkosten von nur 297 Euro statt wie bisher 1353 Euro im Jahr für unseren Gesamtverbrauch von 5162 Kilowattstunden. Es ergibt sich also eine theoretische Ersparnis von 1055 Euro“, so die Rechnung des Deiningers.

 

Die Energiewerte 2016 im Überblick

Verbrauchte Energie: 5162 kWh Erzeugte Energie: 5682 kWh

Aus dem Netz bezogen: 2442 kWh Eingespeiste Energie: 2778 kWh

Vom Dach bei Sonne: 1777 kWh

Nachts aus dem Speicher: 942 kWh

Verkauf: 12,34 Cent/kWh netto

Kauf: 26,22 Cent/kWh brutto (Ökostrom Preis 2016)

Amortisationszeit: 15 Jahre auf heutiger Kostenbasis vor Steuern

 

Aber die Steuer…

Bei all diesen Zahlen ist sich Horst Bienas sicher: „Die Anlage gibt ein gutes Gefühl.“ Aber die Steuer sorgt für einen Wermutstropfen. Wie die meisten Betreiber meldete er die Anlage als Gewerbebetrieb an, um die auf den Nettopreis der Anlage bezahlte Mehrwertsteuer rückerstattet zu bekommen. Da Energieerzeugung und -verkauf umsatzsteuerpflichtig ist, muss der Betreiber die Anlage wie jeden Gewerbebetrieb steuerlich neben der Einkommenssteuer behandeln:

 

  1. Einkommenssteuererklärung

Versteuerung der Einnahmen aus dem Energieverkauf (abzüglich Abschreibung und Betriebskosten der Anlage)

 

  1. Einkommenssteuererklärung

Versteuerung des geldwerten Vorteils aus der „privat“ genutzten Energie des Gewerbebetriebes „PV-Anlage“

(berechnet auf Basis der Marktkosten pro kWh, nicht Erzeugungskosten – das ist neu und für Betreiber sehr unattraktiv)

 

  1. Umsatzsteuererklärung

Zahlung einer fiktiven „entgangenen“ Umsatzsteuer (19%) auf die privat genutzte Energie

(Der Betreiber hätte den privat genutzten Strom auch verkaufen können, dann wäre in diesem Maße Umsatzsteuer für den Staat angefallen)

 

Die steuerliche Behandlung wirkt sich nachteilig aus. „Aufgrund der Steuer verlängert sich die Amortisationszeit meiner Anlage um mehr als drei Jahre. Das ist mir unverständlich im Sinne der Förderung der lokalen Nutzung“, bemängelt er.

Er macht noch eine Rechnung auf: Der gespeicherte Strom hätte auch verkauft werden können. Dann ist die Ersparnis nicht 26,22 Cent/kWh, sondern nur circa die Hälfte (26,22 – 12,34 Cent/kWh). „Mit dieser Kalkulation rechnet sich mein Stromspeicher nie. Noch dazu, wenn man davon ausgeht, dass für die Batterie eine Lebensdauer von zehn Jahren angegeben wird.“

 

Positives Fazit

Das Fazit des umweltbewussten Hausherrn und seiner Familie fällt trotzdem positiv aus: „Wir haben hochwertige Komponenten und einen guten lokalen Fachbetrieb gewählt. Und wir wussten, dass es lange dauert, bis sich die Ausgaben amortisieren. Im Detail schlägt die Steuer stärker zu als ich es grob kalkuliert hatte, und bei einem Steuergesetz, das ,fiktive entgangene Umsatzsteuer‘ fordert, auch härter, als ich es als fair im Sinne der Energiewende empfinde.“

Familie Bienas wird sich dennoch weiter an der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen freuen und das öffentliche Energienetz wenig belasten. Nicht nur an einer früheren Amortisation der Anlage haben alle Familienmitglieder Freude, sondern auch daran, den Energiebedarf zu senken bzw. mit den vorhandenen Mess- und Darstellungsmöglichkeiten auf Sonnenstunden hin zu optimieren. Denn: „Wenn wir unserer Speichersystem noch aufrüsten würden, kämen wir auf einen maximalen Autarkiegrad von 70 Prozent. Die effizienteste Art und Weise, den Autarkiegrad zu erhöhen, ist deshalb, Energie einzusparen.“ Bis zu 60 Prozent Autarkie vom öffentlichen Stromnetz stellt sich der Hausherr durch kostenlose Verhaltensänderungen und den Ersatz von „Stromfressern“ vor.

Trotz aller technischen und wirtschaftlichen Einschränkungen überwiegen für Familie Bienas die Vorteile. „Wie mit unseren anderen ökologischen Projekten im Haus macht es Freude, unabhängiger zu werden und unseren elektrischen Energiebedarf mit wesentlich geringerer CO2-Belastung oder gar Strom aus Atomkraft zu decken. Und wir haben keine Angst vor steigenden Stromkosten.“ Alleine die kürzlich durchgeführte Strompreiserhöhung führt bei der Anlage in Deining zu einer um ein Jahr früheren Amortisation. bk

 

Datenblatt

Brauchwasser
Solarthermie mit 350-Liter-Pufferspeicher
Unterstützend: Ölbrenner
Heizung
Kaminofen: 13 kW Nennleistung (80% Heizsystem/20% Wohnraum)
Unterstützend: Ölbrenner
 
Jährliche Wärmeenergie
200 Liter Ölverbr
auch
6-7 Ster Holz
 
 
 
PV mit Batterie
6,2 kWp Leistung PV, Einspeisung 70% begrenzt
6,4 kWh Batteriespeicher (Li-Ion, 90% nutzbar)
10 Jahre Lebensdauer Batterie
15.000 Euro Kosten PV und Batterie + 3000 Euro MwSt. (mit handwerklichem und planerischem Eigenanteil)
 

 

 

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