Unterricht für Kinder mit Migrationshintergrund

Wie Kinder aus anderen Kulturen bei uns Fuß fassen können -
und warum Vielfalt in Kultur und Sprache auch für deutsche Kinder ein Gewinn ist

Der beständige Zuzug von Familien aus dem Ausland - mit und ohne Fluchthintergrund  - ist nach wie vor eine große Herausforderung für Gesellschaft und Schule.  Die Zukunft unseres Landes mit zunehmend heterogenen Personengruppen zu gestalten, ist Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen, wobei der Schule sicher eine besondere Rolle zukommt.  

 

Auch in unserem Landkreis haben sich die Schulen in ihrem Selbstverständnis zu „Schulen der Vielfalt“ entwickelt, in der das Prinzip „Celebrate diversity“ gelebt wird und gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung die Basis aller Arbeit ist.

Jeder muss sich mit Neuem auseinandersetzen, sich ggf. an neue Lebensumstände anpassen, sich um eine gemeinsame Sprache bemühen und herausfinden, wie man am besten zusammen lernt und arbeitet.

 

Was zeichnet eine „Schule der Vielfalt“ aus?

 

-          Es besteht Konsens über die grundsätzliche Haltung der ganzen Schulfamilie:

Teilhabe an der Gemeinschaft muss jedem Kind möglich sein, Verschiedenheit wird als Gewinn betrachtet.

Teilhabe an der Gemeinschaft und das Gefühl, angenommen zu sein, sind auch mit wenig Aufwand zu erreichen, wenn Bereitschaft und Flexibilität gegeben sind und auf Perfektionismus verzichtet wird.

-          Die Schule bemüht sich um den Aufbau einer Willkommenskultur. Vorbehalte und Ängste werden ernst genommen und durch Information und Kennenlernmaßnahmen aufgefangen .

-          Die Schule bietet Sicherheit und Geborgenheit: Ein strukturierter Tagesablauf, Rituale und wiederkehrende gemeinsame Aktivitäten geben allen Kindern und auch den Lehrkräften Sicherheit.

-          Die Schule gibt Zeit und Gelegenheit zum Spracherwerb: Der Zweitspracherwerb erfolgt sehr individuell und vielfach ungesteuert, am besten im „Sprachbad“ einer altersmäßig passenden deutschen Klasse. Vor allem aber lernen Kinder eine Sprache, wenn Kommunikation Sinn macht und ein Partner aktiv und angemessen reagiert.

-          Die Schule legt Wert auf sprachsensiblen Unterricht. In allen Fächern und allen Jahrgangsstufen wird großer Wert auf deutliche Sprache (ggf. bildgestützt, mit entsprechender Mimik und Gestik) gelegt und durch Scaffolding (=sprachliche Vorentlastung / Begriffsbildung zur Orientierung) die inhaltliche Arbeit unterstützt. Diese Vorgehensweise ist für alle Kinder von Vorteil, weil auch die deutschen Kinder die Bildungssprache bewusster gebrauchen lernen.

-          Die Schule richtet Helfersysteme (Patenschaften) ein. Jedes neue Kind wird von Patenkindern aus der Stammklasse betreut, in kooperativen Lernphasen wird die kommunikative Kompetenz auf beiden Seiten gefördert.

 

Welche Maßnahmen im Landkreis unterstützen die Schulen?

 

-     Ein Fortbildungskonzept mit regelmäßigen Angeboten zum Material-und Methodenaustausch stärkt und erweitert die Unterrichtskompetenz der Lehrkräfte in Deutsch als Zweitsprache, enthalten sind darin auch spezielle  Fortbildungen zum sprachsensiblen Unterricht für alle Kinder.

 

-         An jeder Schule  gibt es eine Lehrkraft als Migrationsbeauftragte, die Aktionen zur Willkommenskultur und Sprachfördermaßnahmen koordiniert und im Kollegium als Ansprechpartner für Material und Methoden fungiert.

 

-     Drei Übergangsklassen wurden in den großen Mittelschulen für Schüler der Sekundarstufe eingerichtet, die Kinder werden dort nach einem besonderen Lehrplan für Sprachanfänger unterrichtet. Eine besonders intensive Betreuung bieten die Ganztagesübergangsklassen in Geretsried und Bad Tölz, die zusätzliche sozialpädagogische Unterstützung erhalten.

 

-        Die meisten Grundschulen sowie kleinere Mittelschulen richten „Sprachlernschienen“  für die Neuzugänge ein (=pro Tag 1-2 Std. Deutsch-Intensiv-Kurs), die weiteren Stunden verbringen die Kinder im "Sprachbad" einer altersangemessenen Stammklasse. 

-     Zusätzliche Förderung wird vom Freistaat durch die Beschäftigung von sogenannten Drittkräften ermöglicht, das sind in der Regel akademisch gebildete Kräfte, darunter auch einige pensionierte Lehrkräfte, die sich stundenweise ganz der Beschulung von Zuwandererkindern widmen können.

 

-          Zur Unterstützung bei Hausaufgaben oder beim Leselernen können die  Schulen vielfach auch auf engagierte ehrenamtliche    Helfer zurückgreifen, bewährte digitale Angebote (z.B. vom Verein Asylplus) unterstützen innerhalb und außerhalb des Unterrichts das individuelle Sprachlernen.

     

-          Einige mobile Reserven bilden sich speziell für den kurzfristigen Einsatz in Sprachlerngruppen fort.

 

-         Auf Landkreisebene wurde eine interdisziplinäre "Taskforce-Gruppe"  zur “Beschulung schulpflichtiger Asylbewerber“ eingerichtet: Vertreter von Schulamt,Berufsschule, Jugendamt, Sozialamt sowie freie Träger und Unterstützervereine wie HvMzM treffen sich in regelmäßigen Abständen zur Analyse der aktuellen Situation und zur Planung und Evaluation von Maßnahmen im Hinblick auf die Betreuung der Kinder und Jugendlichen.

 

      Und so können auch unsere "einheimischen" Kinder von der Schule der  Vielfalt profitieren
  
  • Der verstärkte Einsatz von Ritualen (verbunden mit entsprechenden sprachlichen Übungen) fördert den Zusammenhalt in der Klasse und die Beherrschung sprachlicher Wendungen!

 

  • Im sprachsensiblen Unterricht üben deutsche Kinder in allen Fächern, die Bildungssprache bewusster und deutlicher zu gebrauchen. Sie profitieren durch verstärkte Übungen zur Begriffsbildung und vermehrte Wiederholung bildungssprachlicher Satzbaumuster.

 

  • Die aufgrund der unterschiedlichen Lernausgangslage notwendige individuellere Unterrichtsgestaltung fordert und fördert selbstgesteuertes Lernen, was auch ein wichtiges Ziel im neuen kompetenzorientierten „LehrplanPlus“ darstellt.

 

  • Partnerschaften und Helfersysteme bieten viel Gelegenheit zum Erwerb von kommunikativen sowie sozialen Kompetenzen und stärken das Selbstwertgefühl.

 

  • Und nicht zuletzt: Alle Kinder erwerben die in der zukünftig noch mehr globalisierten Arbeits- und Lebenswelt so notwendige interkulturelle Kompetenz.

 

Auch wenn  die weitere Entwicklung nicht vorhersehbar ist,  so gilt doch die Maxime:

Jedes Kind ist willkommen – egal wo es herkommt und was es „mitbringt“. Wenn alle sich gemeinsam anstrengen, aufeinander zugehen und zum Lernen bereit sind, wird die „Schule der Vielfalt “ ein Gewinn für alle werden.

 

 

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