Renaturierung des Schemer-Filzes

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Forstbetrieb Bad Tölz        

 

 

Die bayerischen Staatsforsten sind für über 12.000 ha Moorflächen in Bayern zuständig, das sind 9% aller Moorflächen in Bayern (145.000 ha). Viele Moorflächen sind durch Entwässerungsmaßnahmen der Vergangenheit bereits für immer verschwunden. Ein großer Teil der noch erhaltenen Moore ist durch Trockenlegung heute mehr oder weniger stark gestört.

Die Sanierung von degradierten Mooren ist ein erklärtes Ziel der Bayerischen Staatsforsten. Der Schutz bedrohter Lebensräume und bedrohter Arten, sowie Klimaschutz durch Erhalt der Moore als Kohlenstoffspeicher stehen dabei im Mittelpunkt.

Im Forstbetrieb Bad Tölz kommen ca. 600 ha Moore (offene Moore und Moorwälder) vor. Seit 2005 hat der Betrieb das Mühleckerfilz bei Sindelsdorf, das Schemerfilz in der Jachenau das Schellenbergmoor bei Eurasburg und das Gurnmoos an der Benediktenwand renaturiert. Die Renaturierung des Schemerfilzes erfolgte dabei als eine vom LRA Bad Tölz festgelegte Ausgleichsmaßnahme für diverse Wegebauten.

 

Sanierung des Schemer-Filzes in der Jachenau im Januar 2009

 

Das 22,6 ha große Hochmoor liegt auf 725 m ü. NN im LSG ‚Hochmoor bei der Schemeralm’ und im FFH-Gebiet ‚Jachenau und Extensivwiesen bei Fleck’. Im Arten- und Biotopschutzprogramm von 1997 ist es als Hochmoor von bundesweiter Bedeutung aufgeführt und wird den markantesten Talhochmooren der bayerischen Alpen zugerechnet. Das 2 m - 5 m hoch aufgewölbte Moor liegt auf einer plateauartigen Talterrasse über eiszeitlichen Seetonen des ehemaligen Jachenstausees und wird im Norden von der Jachen und im Süden von einem ebenfalls tief eingeschnittenen bergseitigen Bach begrenzt. Die östliche Hälfte des Moores liegt auf Staatsforstgrund, die westliche Hälfte ist Privateigentum. Das Moor zeichnet sich durch eine weitgehend ungestörte Zonation mit einem schmalen Fichten-Moorrandwald, einem Latschen-Spirkengürtel und einem offenen Bult –Schlenkenkomplex aus.

 

Im Bereich des Staatsgrundes war auf einer Breite von etwa 125 m ein Entwässerungssystem in Form von 9 Gräben in West-Ost-Richtung angelegt: 20 - 350 m lang, jeweils 25 m voneinander entfernt. Sie mündeten alle im Osten in einen nach Nord und Süd ablaufenden Hauptentwässerungsgraben.

 

Die Folge war ein Abnahme der offenen Hochmoorbereiche um ca. 1 ha. 1956 umfasste dieser Bereich noch 1,4 ha, im Jahr 2006 waren es nur noch 0,33 ha.

 

Schemer-Filz Vergleich der nicht bestockten Hochmoorflächen

  

Vergleich der nicht bestockten Hochmoorfläche im Jahr 1956 (rot schraffiert) gegenüber heute (gelb) (Elisabeth Pleyl 2008)

 

Dokumentation des Zustandes vor der Renaturierung

 

Schemer-Filz Blick offener Hochmoorteil

Blick über den offenen Hochmoorteil von der westlichen Besitzgrenze nach Osten vor der Sanierung 

 

 

 Schemer-Filz Blick Mündung Graben

 

Sanierungsplanung

 

2008 beauftragte der Forstbetrieb Bad Tölz Frau Elisabeth Pleyl vom Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern mit der Erstellung eines hydrologischen Gutachtens und eines Planes zur Sanierung von etwa 5 ha Moorflächen als Grundlage des wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren und der Sanierungsarbeiten.

 

Nach Erfassung der Gräben und des Abflussverhaltens sowie einer Höhennivellierung vor Ort wurde der Standort von 74 Dämmen innerhalb des Grabensystems festgelegt, mit dem Ziel, das Wasser im Moor zurückzuhalten und den Wasserspiegel im Moor dauerhaft zu heben (+/-10 cm unter der Geländeoberfläche). 44 Dämme wurden wegen einer zu erwartenden höheren Gewässerbelastung als Holzdämme geplant. Die restlichen Dämme wurden als einfache Torfdämme vorgesehen. Die Auslegung der Dämme wurde im Gelände nach Höhe und Länge durch Pflöcke festgelegt. Die Verteilung der Dämme im Gelände ergibt sich aus nachfolgendem Plan. Die blauen Pfeile geben darin die Fließrichtung des Moorwassers wieder:

 

Schemer-Filz Sanierungsplanung 

 

Ausführung:

 

Im Januar 2009 wurden die Arbeiten durch den Forstbetrieb Bad Tölz nach erfolgter wasserrechtlicher Genehmigung ausgeführt.

 

Die Erschließung des Moores für die Baustellenzufahrt erfolgte durch die Anlage einer Hauptfahrgasse am südlichen Moorrandwald, sowie kleiner Fahrgassen entlang der Gräben. Hierbei fielen etwa 800 fm Fichtenholz an, von denen rd. 150 fm für den Bau der Stauwehre benötigt wurden.

 

Der Einbau der Stauwerke erfolgte durch einen vom Forstbetrieb beauftragten örtlichen Baggerbetrieb.

 

Schemer-Filz Bau Damm

 

Arten, die von der Maßnahme profitieren:

 

Durch die Wiedervernässung bleibt der Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten erhalten, wie für die Kreuzotter und mehrere an den Hochmoorstandort gebundene Tagfalter und Libellenarten. Auch die Glockenheide wächst dort, vermutlich durch menschliches Zutun, denn sie ist eine Charakterart der atlantischen Moore.

 

 

 

Text: Klaus Huschik, Naturschutzbeauftragter Südbayern, Bayerische Staatsforsten

 

 

 

Wie dieses Foto vom 25. September 2012 zeigt, scheinen Erhalt und Ausdehnung des offenen Hochmoorkernes gesichert:

 

 

Schemer-Filz Titelbild

 

 

Fotos: Elisabeth Pleyl

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