Renaturierung der Kirchseefilze

 

Die Kirchseefilze sind ein nordwestlich der Gemeinde Sachsenkam/ Oberbayern im Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen gelegenes Moorgebiet. Sie sind Teil des ca. 800 ha großen Naturschutzgebietes Ellbach- und Kirchseemoor, das zu den fünf wertvollsten Hoch- und Übergangsmoorgebieten des bayerischen Alpenvorlandes zählt (Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern, Bayer. StMLU 1997). Das Wort „Filz“ wird in Bayern synonym zu „Hochmoor“ verwendet.

Im September und Oktober 2012 wurden im Bereich des ehemaligen Torfwerkes Kirchseemoor Maßnahmen durchgeführt, die die Renaturierung des Moores und die Erhöhung des CO2-Aufnahmevermögens zum Ziel hatten. Die Finanzierung erfolgte über das Klimaprogramm Bayern 2020 – Moore des Freistaates Bayern. Träger für die Grundstückssicherung war der Landkreis (hier erfolgte 90 % Förderung über das Klimaprogramm). Die Kosten für Grundstückssicherung, Planung und Umsetzung der Maßnahme betrugen rund 376.600 €.

Die Begleitung und Beratung erfolgte durch Mitglieder der Tölzer Moorachse. Damit war es, nach dem Königsdorfer Weidfilz (2005) und dem Auer Filz (2007), das dritte Projekt des Arbeitskreises.

 

Karte Kirchseefilz

Abb. 1:  Lage und Ausdehnung der Kirchseemoors (rot), die Renaturierungsfläche ist blau gekennzeichnet (Karte: Bayerische Vermessungsverwaltung 2009, verändert)

 

Das Gebiet

 

Die Kirchseefilze sind im nördlichen Teil des Naturschutzgebietes Ellbach- und Kirchseemoor gelegen. Als Hochmoorgebiet haben sie einen besonderen naturschutzfachlichen Wert und eine große Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt. Als teilweise nahezu unberührtes und weitgehend gehölzfreies Gebiet sind hier Heidekraut und Pfeifengras mit Übergängen zu Magerrasen vorherrschend, sowie ein dicht geschlossener Torfmoosteppich auf bis zu 8 m mächtigem Hochmoor-Torf.

 

Kirchseefilz Landschaft (Pleyl)

 Abb. 2: Die Kirchseefilze (E. Pleyl)

 

Maßnahmen

 

Zur Wiederherstellung des mooreigenen Wasserhaushalts und der natürlichen Abflussverhältnisse wurden auf rund 23 ha Fläche 378 Grabenverschlüsse durchgeführt. Dafür wurden 37 ha, unter anderem durch Verpachtung und Verkauf an den Landkreis, zur Verfügung gestellt.

Die alten, zur Vorentwässerung angelegten Schlitzgräben mussten durch einen Bagger verschlossen und große Gräben und Torfstiche eingestaut werden, so dass im vorentwässerten Hochmoorkörper das Wachstum der Torfe und die Speicherung von CO2 wieder möglich wurden. 

 

Bagger Kirchseefilz

 

Abb. 3: Bagger im Einsatz beim Verschluss der Gräben im Filz (A. Rücker)

 

Ziele

 

Von der Renaturierung der Kirchseefilze profitieren die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten des Hochmoores.

Die Wasserabgabe an angrenzende Gewässer wird gleichmäßiger.

Außerdem ist das Wachstum der Torfschichten ein wichtiges Anliegen:

Die CO2-Freisetzung aus dem trockengelegten Hochmoorkörper wird gestoppt und das Moor durch Torfmoos-Wachstum wieder zu einer CO2-Senke. Die Fläche von 23 ha, die unmittelbar wiedervernässt wurde, bewirkt durch die Renaturierung eine Kohlenstoff-Senkenwirkung von rund 12 t CO2-C bzw. 36 t CO2 pro Jahr. Zudem werden Emissionen von rund 115 t CO2 - C bzw. 345 t CO2 pro Jahr vermieden, die aus der andernfalls stattfindenden Torfzersetzung herrühren würden.

 

Erste Erfolge

 

Schon zwei Tage nach Verschluss der Gräben konnte eine Erhöhung des Wasserpegels beobachtet werden. In den neu entstandenen Anstaubereichen wurden nach kurzer Zeit Libellen und Amphibien gesichtet!

 

Kirchseefilze wiedervernässt

 

Abb. 4: Das ehemals trockene Hochmoor konnte erfolgreich wiedervernässt werden (A. Rücker)

 

Auftraggeber der Planung: Regierung von Oberbayern

Auftraggeber Umsetzungsmaßnahmen: Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen

Moorfachkraft: Elisabeth Pleyl

Planung, Bauleitung: Dipl.-Biol. Achim Rücker

Baufirma: Terratop Hobmaier GmbH & Co.KG 

 

 

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